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Vergleiche sind für mich in der Weinwelt zumeist obsolet, denn kopieren und nachahmen finde ich nicht wirklich spannend, aber nach dem Weinaugenschein in der Südsteiermark bei Johannes Gross fragte ich mich insgeheim, was die französischen Vignerons für die Lagen auf den Nussberg opfern würden? Hmm …


Der Nussberg ist geradezu prädestiniert für GROSSE Weine und zählt für mich zu den Spitzenlagen Österreichs. Von der Südsteirischen Weinstraße ist man in fünf Minuten beim Weingut Gross, welches hinter einer leichten Kuppe versteckt ist. Achtung für begeisterte Radler: Der Weg zurück ist ein steiler! Das Weingut liegt am Dead End der Straße und in der Mitte des „Montagne de Noix“. Johannes Gross, einer der Gross-Buam, und seine Frau Martina leiten die Geschicke des Weingutes. Michi, der zweite Gross-Bua, widmet sich seinem slowenischen Herzensprojekt Vino Gross mit Furmint und Co. Die Serie von „Gross&Gross – Geschwister und der Wein“, bestehend aus Sauvignon Blanc Jakobi und der Gelbe Muskateller Mitzi, ist ein Must-have. Die Mitzi macht dabei als grandioser, trinkfreudiger, positiv unkomplizierter Muskateller eine super Figur.

Aber zurück zum Nussberg mit seinen genialen Böden, welche sich hier vor etlichen Millionen Jahren formten. Er war sozusagen ein Zeitzeuge, als noch ein Meer in der Südsteiermark war und die maritimen Ureinwohner den Grundstein für den „Calcaire“ bildeten. Auch Lehm finden wir in der Lage im Talkessel, die so der Sonne zugerichtet ist, dass die Subriede Leit’n die Frühsonne erwischt und die Pretschnigg sich auch noch abends die letzten Sonnenstunden gönnen kann. Die Koralpe sorgt mit ihren frischen Brisen für Abkühlung – welch‘ superbe Mischung! Eigentlich naheliegend, dass die Weine mit ihrer Eleganz, Kraft und Salzigkeit perfekt zu Fisch und Co. passen. Ein seidiger Weißburgunder Nussberg zum gebratenen Huchen, mit Frühkartoffeln und brauner Butter, wäre nicht die schlimmste Kombi. 😊

Der Weißburgunder Nussberg wurde seit jeher in Magnums gefüllt. Kein essenzieller Nachteil, wenn man nicht allein eine Flasche genießen möchte, aber seit neuestem wird der PB Stauder in Demi-Magnums gefüllt. An alle Weinfreude der eleganten Weine: Die Pinot-Blanc-Serie von Hannes muss verkostet werden! Es gibt sehr wenige Winzer, die sich dieser grandiosen Rebsorte aus der Burgunderfamilie widmen. Nur in den besten Lagen und mit großer Ehrfurcht gekeltert, ergibt sie ganz GROSSE Weine. Weißburgunder Vertikalen sind von einem Winzer umso seltener, aber hier kann man diese, mit Korkenzieher und Gläsern ausgestattet, entspannt verkosten.

Zum Einstieg genießen wir den fruchtigen Weißburgunder Südsteiermark DAC aus 2018, danach der Ehrenhausener Ortswein aus der gleichnamigen Rebsorte. Seidiger, weicher, leicht salzig – Kalk lebe hoch! Mit Aromen nach Mandeln, Limetten und Birnen ausgestattet, ist es ein wirklich, wirklich GROSSER Ortswein. Der Weißburgunder Kittenberg legt die Latte dann noch höher. Die Reben stammen aus dem 67er Jahr und der Wein wird seit 1983 separat abgefüllt. Die Lage liegt 12 km Luftlinie entfernt, im Sausal. Terroirfreaks denken sich gerade: „Da ist ja Schiefer!“ – korrekt und ein Mitarbeitsplus. Dieser Weißburgunder ist kühler, schlanker, rauchiger und würziger, was dem Terroir, auf dem er wächst, geschuldet ist. Ein Wein, der die nächsten Jahre und ich meine viele weitere, wirklich Spaß machen wird. Der Wein, wie auch der Ortswein, werden bewusst mit einem Jahr Reife von Weingut herausgegeben, um schon mal annähernd das Potenzial zu zeigen. Ein Grand Vin, wie schon zuvor angesprochen, ist der Pinot Blanc Ried Nussberg Stauder, der auf Kalksandstein und Opok angebaut wird. Er wird zwölf Monate auf der Feinhefe gelagert und spontan im großen Fass vergoren. Eine Ruhephase von weiteren sechs Monaten im Stahltank darf er sich auch noch auf die Brust heften. Apropos „Brüsterl“: Eine Fasanenbrust mit glacierten Maroni können wir uns zu diesem Wein im Herbst besonders gut vorstellen.

Die Franzosen würden zu dieser Pinot-Blanc-Serie erfreut „Oh la la“ sagen – ich sag einfach mal: „On y va!“ und geh au plus vite mit gezücktem Korkenzieher in den Keller. À votre santé!

Alex Koblinger MS

Verfasst von Alex Koblinger
Master Sommelier Alex Koblinger ist Service- und Qualitätsmanager in Döllerers Weinhandelshaus und zugleich Chef Sommelier in Döllerers Genießerrestaurant. Als 6-facher Sommelier des Jahres und einziger Master Sommelier in Österreich, ist er mit knapp 20 Jahren Erfahrung als Getränkespezialist noch immer fast täglich im Restaurant mit dem Korkenzieher unterwegs.