Die Vorweihnachtszeit ist fast überstanden und die Verwunderung über so manche wirklich schlecht gelaunten Mitmenschen wächst fast täglich. Wir lassen uns aber nicht aus unserem entspannt-kekserlessenden Flow reisen und bleiben relaxed – auch in der Gegenwart dieser Grinches.  Die unvermeidlichen Besorgungen werden erledigt, bevor die Grinches die Straßen bevölkern, und somit in die frühen Morgenstunden verlegt. Der Auftrag noch schnell einkaufen zu gehen, lässt einen erschaudern wie die ersten Minusgrade des Jahres. Trotz all dieser Einflüsse freuen wir uns riesig auf das Christkind und schreiben, gerade noch rechtzeitig, unseren jährlichen Brief:


Liebes Christkind,

es ist ein Wahnsinn, dass schon wieder ein Jahr zwischen dem letzten Brief und diesem liegt. Ich hatte ein sehr spannendes und natürlich weinaffines Jahr.
Die Reisen und Besuche hatten es wirklich in sich und ich konnte sehr viele und grandiose Weine verkosten. Ein Super-Besuch war sicherlich der Besuch bei Christian Stahl in Franken. Einfach WOW! Aber auch der Ausflug nach Slowenien mit Michi Gross zu seinen Furmints war geradezu grenzgenial. Nicht zu vergessen die Burgundertour mit Bonneau du Martray oder auch Domaine Leroy, um nur einige zu nennen.
Unsere Weinrunde besteht natürlich nach wie vor und ist fleißig beim Verkosten und somit wirklich beschäftigt sich die richtigen Weine in den Keller zu legen. Trophäenflaschen gibt es Gott sei Dank in den Kellern unserer Weinrunde keine mehr, ich konnte ja meine Mitverkoster davon überzeugen, dass nur ein verkosteter und mit Freude als auch mit Freunden getrunkener Wein wirklich etwas wert ist. Nichts Traurigeres gibt es, als das Schicksal der Flaschen, die niemals geöffnet werden. Sie werden mit „Schau, was ich hab!“ hergezeigt, um danach auf die Frage „Und wie schmeckt er und hast du schon probiert?“ mit folgendem Satz zu antworten: „Spinnst ich mach doch keine auf – war ja sauteuer, hat aber wirklich 99 Punkte.“ Dabei versauern die edlen Tropfen im Weinregal. Da blutet einem doch das Herz, oder?
Somit mein größter Wünsch für Weihnachten: Jeder Weinfreund und Genießer sollte in den Keller gehen und jene Flasche(n) aufmachen und mit Freunden genießen, die er schon immer verkosten wollte, aber immer wieder voller Ehrfurcht zurückgelegt hat. Keine Macht dem Grinch oder dem Oxidationsteufel!

Ein weiterer Riesenwunsch für dieses Jahr wäre, dass Weine, welche mit Tanninpulver, Eichenchips und Co. getrimmt, gesüßt, verweichlicht etc. wurden, auch als solche gekennzeichnet werden müssen. Damit wäre jedem Weinfreund, der gerne auf diese chemischen Helferlein verzichten möchte, wirklich geholfen.

Um einen allerletzten Wunsch möchte ich dich noch bitten: Bitte lasse es ordentlich schneien damit auch der letzte Grinch in Weihnachtsstimmung gerät!!

Frohe Weihnachten!

Dein Weinfreund
Alex

Verfasst von Alex Koblinger
Master Sommelier Alex Koblinger ist Service- und Qualitätsmanager in Döllerers Weinhandelshaus und zugleich Chef Sommelier in Döllerers Genießerrestaurant. Als 6-facher Sommelier des Jahres und einziger Master Sommelier in Österreich, ist er mit knapp 20 Jahren Erfahrung als Getränkespezialist noch immer fast täglich im Restaurant mit dem Korkenzieher unterwegs.