Oberer Wald Jahrgänge 2004 bis 2013

D

ieses Zitat könnte ohne Weiteres eine unserer Mariental-Magnum des 86er-Jahrganges im Weinkeller sagen. Ernst Triebaumers legendärer Wein, der im zweiten kommerziell erhältlichen Jahrgang mit seiner sensationellen Qualität und den darauf folgenden Bewertungen einen der Grundsteine des österreichischen Weinwunders legte. Die Partnerschaft zwischen der Familie Döllerer und der Familie Triebaumer besteht seit über dreißig Jahren und „E.T.‘s“ Weine waren bei den ersten dabei, die im damals noch ausschließlich mündlichen Weinsortiment mit ihrer Qualität aufgezählt wurden. Wissend, dass einander neben dem geschäftlichen Aspekt auch eine langjährige freundschaftliche Beziehung verbindet, waren wir voller Vorfreude als uns die Familie für den angedachten Termin zusagte.

Ernst Triebaumer - E.T.

Ernst Triebaumer – E.T.

Im Zuge der Veranstaltungsreihe „Döllerers Familiengeschichten“ kamen die Triebaumers – Ernst, Margarethe und Gerhard – von Rust am Neusiedlersee im Burgenland zu uns nach Golling, um ihre Weine am Abend in den Genusswelten zu präsentieren. Davor luden wir im Rahmen von „Döllerers Weinwerkstatt“ noch zu einer zusätzlichen Verkostung für Sommeliers, Gastronomen und Journalisten. Im Großem und Ganzen kann man sagen, dass wir einen tollen, spannenden, aufregenden, kurzweiligen und hochklassigen Triebaumer-Weintag vor uns hatten. Es galt den Nachmittag mit einer Verkostung von sechs Weinen aus der Urwerkserie zu starten, dann mit einer Vertikale aus zehn Jahrgängen des Blaufränkischen aus der Oberen Wald Lage fortzufahren und den Abend bei einem Dinner in Döllerers Genießerrestaurant mit sensationeller Triebaumer Weinbegleitung zu finalisieren.

An einem Donnerstagmittag herrschte hektisches Treiben in Döllerers Enoteca. Die Verkostung musste fertig aufgesetzt werden. Gläser wurden poliert, Brot geschnitten, Verkostunterlagen verteilt und die zehn geplanten Weingläser pro Platz eingestellt. Die Weine waren alle perfekt temperiert und auf mögliche Weinfehler gecheckt. Kurz vor der Verkostung kamen noch unsere internen Paparazzi dazu, es hieß mit einem langen Riiiiiiiiiiiesling „Bitte lächeln!“, um alles auf Film oder besser gesagt „auf Chip“ zu haben. Punkt 15.00 Uhr startete das erste Highlight des Tages. Die „Triebaumers“ wurden von Hermann Döllerer strategisch um den Tisch verteilt damit jeder, in der bis auf den letzten Platz gefüllten Enoteca, auch wirklich alles verstehen konnte. Das Kennenlernen wurde mit einer von Ernst Triebaumer erzählten Familienhistorie eingeleitet. Gerhard erläuterte die „Lebens“-Philosophie rund um ihren Weinbau und den gesamtheitlichen Aspekt gegenüber oder besser gesagt mit der Natur.

Die Verkostung startete mit einer Serie von sechs Urwerk-Weinen der Triebaumers. Eine einmalige und herbeigesehnte Verkostung, die es in dieser Konstellation noch nicht gegeben hat. Die Urwerk-Serie ist einer Verwirklichung der Vision von Paul Triebaumer, dem Onkel der Triebaumers, entsprungen. Dieser produzierte in den Jahren 1985, 1986 und 1987 seinen sogenannten „Keltenwein“ ohne jegliche Zusätze. Ein Wein auf Basis eines Welschriesling, welcher mit der Maische vergoren wurde, unfiltriert, ungeschönt und ungeschwefelt war. Als Familie Triebaumer, die im Keller ebenso minimalistisch arbeitet, eine perfekte 25 Jahre alte Flasche dieses Keltenweines verkostete sah sie die Zeit gekommen um die Weine der Urwerk-Serie ins Rampenlicht zu rücken.

Urwerk-Serie

Grüner Veltliner Minimal 2005

Der erste Wein im Flight war der Grüne Veltliner Minimal aus dem Jahre 2005. Ein Wein mit extrem niedriger Schwefelung. Der Grüne Veltliner reifte sieben Jahre im Fass und danach noch zwei weitere in der Flasche. Der Wein zeigte sich in einem tollen goldgelb und faszinierte mit Aromen und Geschmack nach Orangen, Mandarinen, reifen Quitten und Kräuteraromen wie etwa Schafgarbe, aber auch Spekulatius war zu finden. Ein sensationeller gereifter, sich aber ungemein frisch zeigender, trinkfreudiger salziger Weißwein. Damit war das Ausrufezeichen gleich zu Beginn gesetzt.

Grüner Veltliner Urwerk 2014

Weiter ging es in der Serie mit einem Grünen Veltliner Urwerk aus dem 2014er-Jahr. Ein Grüner Veltliner, der für 14 Tage seine Heimat auf der Maische fand und bei dem der Tresterkuchen – um eine erwünschte Tanninstruktur zu erhalten – untergestoßen wurde. Der Wein wirkte in der Nase sehr intensiv und hatte zu Beginn balsamische Töne und auch leicht harzige Anklänge. So kamen etwa Fichtennadeln zum Vorschein. Am Gaumen wirkte der Wein enorm leicht und frisch, war straff, sehr lange anhaltend und hatte zudem einen ungemeinen Trinkspaß. Ein hochspannender Veltliner, der noch im Kleinkindalter steckt und viel Zeit und Luft braucht.

Sauvignon Blanc Urwerk 2013

Die beiden nächsten Gläser widmeten die E.T.s dem Sauvignon Blanc und ihrem Traminer. Zwei normalerweise eher vordergründige und „laute“ Rebsorten. Den Start machte der Sauvignon Blanc Urwerk 2013, der eine Zeit im 500 l-Fass verbringen durfte. Von Anfang an gesellten sich schwarzer Cassis, Pfeffer, kalter weißer Rauch aber auch vegetabile Noten wie etwa Gurken dazu. Nach ein paar Schwenkern kam eine superbe Steinobstnase hinzu welche nach Pfirsichen und Marillen roch. Extrem spannend empfunden wurden auch die Aromatik und der Geschmack nach Bienenwachs und Trockenfrüchten. Ein Sauvignon Blanc der nicht mit einem grasigen, stachelbeerlastigen Aroma schreit „Hier bin ich!“, sondern der sich die Zeit nimmt um bestimmt und viel mehr als hocheleganter, tiefgründiger und ausbalancierter Sauvignon zu sagen: „Handy aus und koste!“

Traminer Urwerk 2015

Alex und Gerhard beim Weinphilosophieren.

Alex und Gerhard beim Weinphilosophieren.

Danach kam ein Weißwein mit einer doch sehr kräftigen intensiven Farbe, der Traminer Urwerk 2015. Normalerweise beduselt einen ein Traminer mit Kraft, Opulenz, etwas höherem Alkohol und möglicherweise mit vorhandenem Restzucker. Zumeist dazu verdammt sehr eintönig zu sein und weniger Trinkspaß oder Trinkfluss zu vermitteln als so manch andere Rebsorte … aber der Traminer Urwerk zeigt einen Stil auf, den man selten mit dieser Rebsorte verbindet. Am Anfang blumig, Arnika und Kamille aber auch Löwenzahn. Aromen die in einem Wein nicht wirklich so alltäglich sind. Aber es ging weiter mit Aromen von Punsch, Kletzenbrot oder auch – grinsend notiert – Zwetschkenkrampus!! Am Gaumen klar, sehr „straight“, mit superben Zug und einer wirklich salzigen Komponente aufwartend. Mega! Ein Traminer zum Trinken, Trinken und nochmals Trinken im Gegensatz zum Riechen, Riechen und nochmals Riechen!

Blaufränkisch Urwerk 2012

Danach waren zwei Jahrgänge des Urwerk Blaufränkisch im Glas. Glas Nummer fünf war Jahrgang 2012 und Glas Nummer sechs 2013.
Glas Nummer fünf – der 2012er – hatte eine deutliche Aromatik nach nicht zu reifen Brombeeren, Herzkirschen, reifen Zwetschken aber auch Lavendel und weitere Kräuteraromen fügten sich in das Geruchs- und Geschmacksbild. Der Wein brauchte im Keller Zeit um die Kraft, Würze als auch Tannine, einzubinden. Ein absoluter Charakterwein der mit Frische, angenehmer Säure und merkbaren Tanninen wunderbar zu trinken ist.

Blaufränkisch Urwerk 2013

Der 2013 wirkte mit seinen Cassisnoten, wiederum Brombeeren als auch Schwarzkirschen, ungemein frisch und klar. Am Gaumen eine super Würze, Kräuter und tiefer, dunkler nicht zu reifer Beerenfrucht. Beides sehr eigenständige tolle Vertreter der Rebsorte und ohne jegliche Zusätze in die Flasche gefüllt. Echte Blaufränkische die sich hinter keinerlei Fassade verstecken und sich mit jedem messen können. Wir wollten mehr.

Vertikale … zehn Jahrgänge Oberer Wald

Kurz durchschnaufen, alles sacken lassen, durchspülen und weiter geht’s. In der Zwischenzeit waren zehn Jahrgänge vom Oberen Wald eingeschenkt worden. Vor jedem einzelnen Teilnehmer der Weinwerkstatt spannte sich nun ein Bogen mit zehn Rotweingläsern voll aufregender Eindrücke.

Die Lage Oberer Wald befindet sich schon seit sehr langer Zeit im Besitz der Familie Triebaumer und stellt einen der größten Schätze der familieninternen Einzellagen dar. Zumeist durch das mediale Interesse am Mariental leider etwas in den Schatten gestellt, überzeugt diese Lage durch einen kernigen und kühlen Charakter. Die Ausrichtung der Zeilen in der Lage von Nord nach Süd und die dadurch andere Sonneneinstrahlung, der Lehmgehalt zwischen den Korallenablagerungen und die tiefen Wurzeln der 70-jährigen Blaufränkisch-Reben sind einzelne Puzzleteile dieser grandiosen Lage und deren Weine.

Wir hatten das Vergnügen zehn Jahrgänge im Glas zu haben – beginnend mit dem 2004er- bis hin zum 2013er-Jahrgang. Der Überblick war grandios, jeder Jahrgang individuell und mit seinen eigenen Charakterzügen extrem reizend. Der 2004er zeigte sich schon beim Öffnen und Vorverkosten (hihihi) der Flaschen sensationell. Er war ungemein frisch, klar und sehr weich am Gaumen. 2005 hingegen war etwas satter von der Frucht, mehr zwetschkig und dunkelfruchtig und mit einem sehr langen Abgang ausgestattet. Mit 2006 kam ein voller, satter und kräftiger Vertreter durch. Er hatte definitiv mehr Opulenz, war am Gaumen mächtiger und voller. Nach zehn Jahren Reife wirkte er geradezu noch jung. 2007 wiederum war etwas schlanker und frischer. Der Wein war ungemein ausgewogen und mit einer Frucht-, Säure-, Körper-Tanninkombi ausgestattet die einem mit einem „echt mega“ zum nächsten Glas greifen lässt. 2008 zeigte sich etwas kräuterlastiger als die Vorgänger, würzig, rauchig und hatte einen superben Trinkfluss. Ein absoluter „Trink-“ und Genusswein. Danach kam 2009… die erste Notiz am Zettel war ein „WOW“. OK, dieser Wein war kein Leichtgewicht. Ein grandioser Wein der mit seiner intensiven Frucht, Mineralität und Kräuterwürze im Gesamtpaket einfach perfekt punktet, zumindest bei mir. Die Flasche sollte sicherlich schon einmal geöffnet sein sobald man mit dem Schmoren der Lammschulter beginnt … eine Traumkombi.

Apropos werden rund 70 % der Rebfläche des Weingutes Ernst Triebaumer von deren Mitarbeitern, nämlich Schafen, zwischen 45 und 60 an der Zahl, bearbeitet. Sollte man das Glück haben um einmal in Ruhe durch die Weingärten der Triebaumers zu flanieren, kann man sehen, dass hier die Trauben um einiges kleiner sind als bei manch anderen Nachbarn. Bis zu einem halben Kilo kann eine mächtige, großbeerige Blaufränkisch-Traube auf die Waage bringen. Bei den Triebaumers reden wir von kleinbeerigen, dickschaligeren ungefähr 100 Gramm schweren Trauben, bei denen auf die Fruchtreife und nicht nur auf die Zuckerreife geachtet wird.
Danach ein Wein aus dem tollen 2010er-Jahrgang, dem von vornherein die Bürde auferlegt wurde nicht „groß“ oder sehr gut, nennen wir es – höflich formuliert – „nicht das Gelbe vom Ei“ zu sein. Im Glas zeigte sich ein frischer, sehr klarer Rotwein mit toller Säure, Ribiseln, mittelkräftigem Körper und tollem Trinkspaß. Ein Wahnsinnswein auch ohne jegliche optimale Jahrgangsbewertung.
Danach kam noch ein jüngeres Trio, bestehend aus dem ätherischen 2011er, welcher nach Wacholder, Tannennadeln und Würze roch und mit einer speckigen, leicht erdigen Art sehr eigenständig und hochinteressant war. Der 2012er im direkten Vergleich wirkte cremiger, weicher, ja satter und hatte eine vollere Frucht und eine super Balance. Zum Abschluss des Flights durften wir noch den 2013er verkosten, der wirklich noch in den Kinderschuhen steckt und eine blumige Komponente neben der reifen Frucht zeigte. Vollmundig kräftig, merkbare Tannine und einen langen Abgang … Attribute für einen sehr großen Wein.

Alex Koblinger überglücklich :-)

Alex Koblinger überglücklich :-)

Es waren sich alle anwesenden Weinliebhaber einig, dass die Konstante bei der Qualität der Weine auf höchstem internationalem Niveau liegt. Die Vertikale zum Kennenlernen der Diversität und Vorzüge der einzelnen Jahrgänge und deren unterschiedlichsten Facetten war ein einmaliges und beeindruckendes Erlebnis. Die Triebaumers aus Rust verkörpern eine Familie mit Weitblick, Konsequenz, Naturverbundenheit und noch echter Handschlagqualität.

Weine am Puls der Zeit und auch – und das ist noch viel wichtiger – am Puls der Natur!

Übrigens: Die Mariental-Magnums des 86er-Jahrganges warten in Ruhe im perfekt temperierten Weinkeller der Genusswelten auf mögliche weinaffine Genießer.

Mehr zum Weingut Ernst Triebaumer und zu dessen Sortiment finden Sie hier!

Verfasst von Alex Koblinger
Master Sommelier Alex Koblinger ist Service- und Qualitätsmanager in Döllerers Weinhandelshaus und zugleich Chef Sommelier in Döllerers Genießerrestaurant. Als 6-facher Sommelier des Jahres und einziger Master Sommelier in Österreich, ist er mit knapp 20 Jahren Erfahrung als Getränkespezialist noch immer fast täglich im Restaurant mit dem Korkenzieher unterwegs.